An meine Studienzeit in Hamburg erinnere ich mich gerne. Einige sehr
inspirierende Jahre, die eine solide Grundlage für alles bildeten, was dann folgte.
Beflügelt von zahlreichen neuen Impulsen, dem Zusammentreffen mit Gleichgesinnten
und vielen großartigen Mentoren, befand ich mich in einer Art Ausnahmezustand.
Als meine Kreativität laufen lernte und die Experimentierfreude Feuer fing
Die Freiheiten waren gewollt und verlockend. Und dennoch gab es auch hier
Vorgaben und Abgabetermine. Eine hervorragende Lehrzeit im Hinblick auf
selbständiges Arbeiten und Zeiteinteilung. Mithilfe profunder Theorie und Praxis
veränderte der Blick sich zügig. Ich lernte, anders zu sehen und meine ästhetische
Wahrnehmung zu differenzieren. Ganz ‚old school‘ wurden alle Entwürfe von Hand
gezeichnet und koloriert, die Figurinen und die technischen Zeichnungen als
Grundlage für die Schnitterstellung. Das Schneiderhandwerk gehörte ebenso dazu.
Zuerst wurde ein Schnitt entwickelt und daraufhin der Prototyp aus einem groben
beigefarbenen Baumwollstoff angefertigt. Maßanprobe. Immer Stecknadeln zur Hand,
um eine Nahtführung zu verändern. Daraufhin wurde das ‚Nesselteil‘ auseinander
genommen und die Schnittänderungen übertragen auf den Papierschnitt. Erst dann
kam die ausgesuchte Meterware auf den großen Zuschneidetisch. Aus den ersten
Übungen im Fertigungsunterricht wurden überaus ambitionierte Einzelstücke. Es
folgten Modenschauprojekte an der Fachhochschule und externe, von Firmen aus
der Textilbranche gesponserte Modenschauen. Eine Performance im Stile eines
Tanztheaters während der Hamburger Kulturwoche in Prag entwickelte sich zu einem
ganz speziellen Höhepunkt. Bei den Vorarbeiten und Vorbereitungen, bei denen
Designstudenten der FH aus verschiedenen Fachbereichen zusammen arbeiteten, verschwammen
die Grenzen zwischen Mode, Kostüm und Skulptur endgültig. Mir gefiel
das bereichernde Zusammenspiel der unterschiedlichen Designdisziplinen und ich
erkannte, dass dies für mich erst der Anfang einer spannenden Designreise sein sollte. |